Infophase

Expertenphase

Policy Paper

Diskussion

Planungsphase

Afghanistan

Im August 2021 fand der in Deutschland wohl umstrittenste westliche Militäreinsatz begleitet von tragischen Bildern verzweifelter Afghanen ein dramatisches Ende. Der Versuch des Westens Afghanistan nach den Terroranschlägen 11. September 2001 zu dauerhaft zu befrieden und damit Rückzugsgebiete für islamistische Terroristen nachhaltig zu zerstören, scheint mit der erneuten Machtübernahme durch die Taliban gescheitert. Die Entwicklungen der letzten Wochen und Monate werfen dabei viele Fragen auf. Teils sind diese unmittelbar praktisch, beispielsweise hinsichtlich der Zukunft humanitärer Hilfe sowie des Umgangs mit den neuen Machthabern in Afghanistan. Darüberhinaus bedarf auch die Rolle Dritter wie China, Iran und Russland in Vergangenheit wie Zukunft einer Evaluation. Andererseits stellen sich sehr grundsätzliche Probleme: von der dramatischen Fehleinschätzung der westlichen Entscheidungsträger bis hin zu möglichen Implikationen für zukünftige Einsätze ähnlicher Natur. Ebenfalls noch völlig unklar sind die sicherheitspolitischen Folgen. Mit dem in die Strukturen der Taliban tief integrierten Haqqani-Netzwerk ist bereits wieder eine Al-Qaida-nahe Organisation weiträumig in Afghanistan präsent, während mit ISIS-K der lokale Ableger des IS von der neuen Situation ebenfalls profitieren könnte. Mehrere große Anschläge innerhalb der letzten Wochen und Monate deuten auf eine deutliche Ausweitung terroristischer Aktivitäten hin, eine perspektivische Entwicklung zu einer neuen überregionalen Bedrohung erscheint plausibel.

Um fundierte Antworten hinsichtlich dieser Probleme geben zu können, ist es notwendig den langen Weg des letztendlichen Scheiterns der Intervention sowie Islamischen Republik bis zum Zusammenbruch nach dem Abzug der westlichen Truppen im August nachzuzeichnen. Dieses Projekt untersucht diese Fragen und analysiert dazu das Scheiterns der Intervention sowie die sich daraus ergebenden Perspektiven für die Zukunft. Dabei stehen insbesondere die mögliche Strategien der Deutschlands und der EU hinsichtlich dem zukünftigen Umgang und ggf. einer Zusammenarbeit mit der neuen afghanischen Regierung im Vordergrund. Dazu wird auch die Entwicklung der Taliban während ihres 20-jährigen Exils sowie die Struktur der neuen afghanischen Regierung untersucht.

 

Beteiligte Mitglieder: Maximilian Schußmüller